Seit einiger Zeit finden wir IBUs auf den Etiketten von Bieren, vor allem bei Craft-Bieren. Doch worauf beziehen sich diese Initialen? IBU ist die Abkürzung für International Bitterness Unit. Auf Deutsch: Internationale Bittereinheit. Das heißt, IBUs dienen dazu, die Bitterkeit eines Bieres zu messen – zumindest in der Theorie.
Über eine mathematische Formel wird die Bitterkeit in IBU auf einer Skala von 0 bis 100 berechnet, wobei 10 wenig bitter und 90 sehr bitter ist. Dennoch gibt es Biere mit 200 oder sogar 1.000 IBU, die damit werben, die bittersten Biere der Welt zu sein. Die Realität sieht anders aus, denn der Mensch nimmt maximal 100 IBU wahr (120 bei Personen mit außergewöhnlicher Sensibilität). Das bedeutet, dass das Empfinden ab 100 Einheiten gleich bleibt.

Allerdings stimmt es nicht, dass die Bitterkeit des Bieres ausschließlich von den IBU abhängt. Diese chemische Einheit interagiert mit anderen Komponenten. Um das zu verstehen, müssen wir das Bier als Gesamtergebnis einer Kombination verschiedener Zutaten betrachten, die miteinander interagieren. Der Hopfen liefert den größten Teil der Bitterkeit des Bieres über seine Harze. Je nach Harzgehalt der jeweiligen Hopfensorte trägt dieser mehr oder weniger Bitterkeit bei. Die IBU-Formel wird in Relation zur Hopfenmenge und dem Zeitpunkt der Zugabe berechnet. Beim Dry Hopping zum Beispiel trägt der Hopfen keine Bitterkeit bei.
Außerdem tragen auch andere Zutaten wie stark geröstete Malze oder bestimmte Zugaben von Früchten und Gewürzen zur Bitterkeit bei. Komplexer, als es scheint, nicht wahr?

In Wirklichkeit sagen die IBUs für sich genommen nichts Endgültiges aus, sondern dienen nur als Orientierung. Tatsächlich ist es so, dass das Volumen an Malz und anderen Getreiden, die in Restzucker umgewandelt werden, die Bitterkeit ausgleicht. Sicher korrigierst du zu Hause auch einen Eintopf, wenn er zu fad oder zu salzig ist, oder? Beim Bier ist es genauso. Deshalb betonen wir immer, dass eine der Tugenden von Qualitätsbier das Gleichgewicht ist, die Harmonie aller Zutaten. Daher muss ein Bier mit 100 IBU nicht unbedingt extrem bitter schmecken, wenn es auch einen hohen Malzanteil mitbringt, der Süße liefert. Bedenke, dass Süße das Bitterkeitsempfinden reduziert. Nach demselben Prinzip geben wir Zucker in den Kaffee.
Wenn du die Vielfalt der Eindrücke entdecken möchtest, die hohe IBU-Werte mit sich bringen, empfehlen wir dir eine Vergleichsverkostung von Stilen wie American Pale Ale, IPA, Double IPA, Triple IPA und West Coast IPA. Oder probiere einfach verschiedene Biere mit derselben IBU-Zahl gleichzeitig – du wirst überrascht sein!
