Wie in der Musikindustrie mit den „One-Hit-Wondern“, also Sängerinnen, Sängern oder Bands mit nur einem Erfolg, gibt es auch Bierstile, die ihren Popularitätshöhepunkt vor Jahren hatten und heute in den Regalen der Fachgeschäfte, geschweige denn an den Hähnen der „Craft“-Bars, kaum noch vertreten sind. In der jüngeren Geschichte wurden verschiedene Bierstile als große Hoffnungsträger der Branche gehandelt, fanden aber letztlich keinen Platz in einem komplexen Umfeld, das sich oft an Moden orientiert. Schauen wir uns einige Beispiele dieser einstigen Biergrößen an.

- Black IPA: Dunkel wie eine Stout, frisch wie eine IPA. Anfang der letzten Dekade schien sie das Beste aus zwei Welten zu vereinen, doch heute ist sie ein seltenes Exemplar. Im Prinzip ist bei diesem „Trugbild“ nur die Farbe schwarz, allenfalls mit etwas mehr Malzcharakter, mehr Karamell, mehr Röstnoten, aber auf keinen Fall sollte die Malzseite den Hopfencharakter überlagern. In der Praxis brauten viele Brauer eine Art hopfengestützten Kaffee, dem es an sensorischer Harmonie fehlte. Andere brauten Biere, die eher als Tropical Stout durchgingen, etikettierten sie aber als Black IPA. In Spanien konnte sich der Stil trotz anfänglichen Erfolgs nie richtig etablieren, auch wenn es heute noch gelegentlich interessante Beispiele gibt.
- Brut IPA: Nach der positiven Aufnahme der NEIPAs schien es, als würde jede Neuheit im IPA-Stil auf die gleiche Akzeptanz stoßen. Ein Irrtum. Im Jahr 2018 kam dieses spritzige Konzept auf. Eine Brut IPA ist nichts anderes als eine sehr trockene IPA mit leichtem Körper und folglich kaum Restsüße; zudem stark sprudelnd. Ursprünglich war der Stil ideal, um den Hopfen dank der zurückhaltenden Malzigkeit „nackt“ zu präsentieren. Mehrere heimische Brauer brachten ihre Interpretationen auf den Markt – eher als limitierte Neuheit denn als dauerhafte Referenz im Portfolio –, doch so richtig durchsetzen konnte er sich nicht. Tatsächlich beharrten einige Konsumenten darauf, dass sie sich aufgrund ihrer Trockenheit zu sehr an eine West Coast IPA anlehne.
- India Pale Lager (IPL) und Cold IPA: Auf dem Papier unterschiedliche Stile, in der Praxis nahm der Endverbraucher jedoch keinen so deutlichen Unterschied wahr. India Pale Lager gibt es heute nur wenige, auch wenn sie noch existieren, aber Cold IPA … Wenn das Phänomen Brut IPA schon kurzlebig war, dann war Cold IPA es noch mehr. Angeblich erlaubte der Stil den Einsatz von Getreiden wie Reis oder Mais, um den Körper des Bieres zu verschlanken, sowie die Verwendung von Lagerhefe bei 18 °C, um fruchtige Ester der Hefe zu vermeiden. Heute ist er aus den Ausschankstellen verschwunden. Wenn überhaupt, haben India Pale Lager in Nordeuropa Erfolg.
- Gose: Hier wird der Leser feststellen, dass sehr viele Brauereien Gose produzieren, aber … sind es wirklich Gosen? Die Gose zeichnet sich durch ihre salzige Komponente aus – doch was ist sie heute? Dieser historische Stil ist pervertiert worden und wird als saures, teils sogar sehr saures Bier mit übertriebenen Fruchtzugaben vermarktet. Die meisten Beispiele sind eigentlich Sours. Es ist schwierig, eine authentische, echte Gose außerhalb ihres ursprünglichen Umfelds Leipzig (Deutschland) zu finden.
- Kölsch: Ein weiterer deutscher Stil, in diesem Fall aus Köln, der von neuen Brauern oft verkannt wird. Ein Kölsch muss klar und goldfarben sein, niemals trüb. Es ist ein Stil, der mit der Absicht entstanden ist, zu erfrischen und in größeren Mengen getrunken zu werden, weshalb er zudem filtriert ist. In dem Moment, in dem das Produkt nicht mehr filtriert wird, darf es nicht mehr Kölsch genannt werden. Allenfalls German Ale.
Und wie bei diesen Beispielen gibt es viele weitere in der Geschichte des Bieres. Manchmal verwechseln wir Neuheit mit Innovation, während wir Stile auf eine Weise interpretieren, die sich völlig von ihren klassischen Merkmalen löst. Was werden uns die nächsten Bierneuheiten bringen?
